Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Konsiliarlabor für Pest: Update zur Entwicklung der Pestepidemie in Madagaskar, geringes Importrisiko weiterhin gegeben.

Stand: 14.11.2017. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet aktuell über ein gehäuftes Auftreten von Pest in Madagaskar mit bislang 2119 Fällen (Verdachtsfälle, wahrscheinliche und bestätigte Fälle), einschließlich 171 Todesfällen, seit dem 23. August 2017, darunter 1618 klinisch als Lungenpest und 324 als Beulenpest identifizierte Fälle sowie ein Fall von Pestsepsis.

Von den 1111 Lungenpest Fällen sind bisher 365 diagnostisch bestätigt, 573 wurden auf Basis eines positiven Schnelltest-Ergebnisses als wahrscheinlich eingestuft. 25 Stämme von Y. pestis wurden isoliert und erwiesen sich gegen die üblicherweise empfohlenen Antibiotika als empfindlich. Von der Lungenpest betroffen sind 55 von 114 Bezirken in 16 von 22 Regionen Madagaskars und erstmals in besonderem Maße urbane Regionen, z.B. die Hauptstadt Antananarivo. Der Bezirk Antananarivo Renivohitra mit der Hauptstadt verzeichnete mit 63.3% aller Fälle die meisten Fälle an Lungenpest. Bis 10. November wurden 6729 von insgesamt 7122 Kontaktpersonen identifiziert und behandelt. 6729 Kontaktpersonen blieben nach 7- tägiger Überwachung symptomlos.

Der Import der Lungenpest auf die Seychellen durch eine Person, die per Flugzeug von Madagaskar eingereist war, hat sich nicht bestätigt. Es gibt daher bislang keinen Pestfall auf den Seychellen. Seit Mitte Oktober ist ein Rückgang neuer Pestfälle zu verzeichnen. Ebenso ist die Anzahl von Patienten mit Verdacht auf Pest in den Krankenhäusern rückläufig. Die Gesamtsituation bleibt jedoch angespannt. Aufgrund der gesteigerten epidemiologischen Überwachung, sind die Fallzahlen insgesamt jedoch immer noch steigend.

Laut dem Leiter des deutschen Konsiliarlabors für Pest am IMB, PD Dr. Holger Scholz, kann trotz der sich entspannenden Lage nicht ausgeschlossen werden, dass durch Flugreisende aus Madagaskar ein unerkannter Import der Pest auch nach Europa erfolgen könnte. Die Gefahr liegt in der hohen Kontagiosität und der hohen Letalität der Lungenpest. Beim Import eines Falles nach Deutschland wären umfassende seuchenprophylaktische Maßnahmen erforderlich. Nähere Informationen zur Entwicklung der Pestepidemie in Madagaskar finden Sie auf der Seite des Konsiliarlabors für Pest.